Vom Hotelier zum Banker

Published On: November 20, 2023


Last Updated: March 17, 2026

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Klingt es für Sie absurd, wenn ein Hotelfachschulabsolvent bei einer Bank wie der UBS arbeiten will? Die Vergangenheit zeigt, dass dies auf jeden Fall machbar ist.


Einige EHL-Alumni haben sich eine Karriere in der Finanz- und Bankbranche aufgebaut. Hier werden wir Ihnen die Geschichten von zwei Alumni erzählen, die zurzeit bei der UBS arbeiten. Anhand ihrer Geschichten werden Sie die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Branchen herausfinden können: Jingyuan Wang, (AEHL 2008) Associate Director, Kundenberater und Adrien Iynedjian, (AEHL 2002) Kundenberater bei UBS Asia-Pacific Wealth Management.


Die UBS Group AG bietet Finanzberatungen und -lösungen für Vermögende, Institutionelle und Firmenkunden weltweit und für Privatkunden in der Schweiz an. Die Strategie der UBS konzentriert sich auf das führende globale Wealth-Management-Geschäft und die führende Universalbank in der Schweiz. Dies ergänzt sie durch Asset Management und die Investment Bank. Die Bank konzentriert sich auf Geschäfte, die in ihren Zielmärkten eine starke Wettbewerbsposition haben, kapitaleffizient sind und langfristig attraktive strukturelle Wachstums- oder Rentabilitätsaussichten aufweisen.


Wie kamst du auf die EHL?

Jingyuan Wang:
Ich wurde in Liaoning geboren. 1998 zog ich mit meinem Vater nach Genf, wo er für die United Nations arbeitete. Mein Schul- und Universitätszeit habe ich in diesem wunderschönen Land verbracht.


Ich habe mich für die EHL aufgrund ihres guten Rufs und des internationalen Umfelds entschieden. Nachdem ich die Kursbeschreibung und die Schulkultur recherchiert hatte, wusste ich, dass dies die Schule ist, die ich gesucht hatte. Ich belegte in den ersten Jahren einen Room Department bezogenen Kurs und im letzten Jahr einen Finanzkurs (die Kursstruktur war damals anders). Ich zog früh in die Schweiz und deshalb spreche ich fliessend Französisch. In der Schule habe ich Italienisch als dritte Sprache gelernt.


Kannst du deine Arbeit bei der UBS kurz erklären?

Jingyuan Wang:
Nachdem ich mein EHL-Studium abgeschlossen hatte, bekam ich die Chance, als Wirtschaftsprüfer bei Ernst & Young zu arbeiten. Nach zwei Jahren bei Ernst & Young habe ich zur UBS gewechselt. Dort arbeite ich nun schon seit acht Jahren.
Ich bin hauptsächlich für die Vermögensverwaltung von vermögenden Kunden aus der Region Grosschina zuständig. Ich helfe ihnen bei der Verwaltung ihrer Auslandsanlagen und bei der Verwaltung von Familienvermögen. Manchmal bin ich auch beratend tätig. Die meisten meiner Kunden sind Einzelpersonen.


Hat dir deine Erfahrung an der EHL geholfen, dorthin zu kommen wo du heute stehst?

Jingyuan Wang:
Man könnte meinen, dass wir eine praktische Hotelfachschule sind, aber in Wirklichkeit sind wir eine Wirtschaftsschule. Die EHL hat ein strenges Auswahlverfahren, um nur die qualifizierten Studierende auszuwählen.
Obwohl ich mir während meiner Arbeit bei UBS ein gewisses Finanzwissen angeeignet habe, denke ich, dass der Finanzkurs, den ich an der EHL absolviert habe, ausreichend war, um meine Karriere in der Finanz-/Bankbranche zu beginnen. In der Zwischenzeit haben wir in der EHL nicht nur akademisches Wissen erworben, sondern auch unseren Horizont erweitert, gelernt, das Leben zu geniessen und die uns umgebenden Ressourcen zu nutzen.


Die Fachkenntnisse decken zahlreiche Bereiche ab, darunter Psychologie und Marketing. Es stimmt, dass die EHL uns nicht darauf vorbereitet, direkt nach dem Studium zum Spezialisten zu werden, aber sie hilft uns dabei, unsere Interessengebiete und unseren künftigen Karriereweg zu bestimmen.


Was gefällt dir an deiner aktuellen Arbeit am besten?

Jingyuan Wang:
Der bereichernste Moment ist, wenn ich das Vertrauen der Kunden gewonnen habe. Meine Beziehungen zu vielen Kunden sind über die Arbeit hinausgegangen. Sie vertrauen mir, weil ich ihre Bedürfnisse verstehe und ihre Interessen immer an die erste Stelle setze.


Es reicht nicht das Vermögen der Kunden nur zu verwalten. Ich helfe ihnen auch bei der Lösung einer Reihe von schwierigen Problemen. Zum Beispiel bei der Wahl der Schule, die für ihre Kinder am besten geeignet ist. Aus diesem Grund gibt es in meiner Arbeit keine Routine. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Da die Bedürfnisse jedes Kunden und jeder Kundin unterschiedlich sind. Die Lösungen, die ich für sie erarbeite variieren von Mensch zu Mensch.


Dies ist der Hospitality Branche sehr ähnlich. Wir bieten beide massgeschneiderte Dienstleistungen an. Wenn man hart arbeitet, kann man die Ergebnisse sehr schnell erkennen.


Wie kamst du zu deiner Arbeit im UBS Wealth Management?

Adrien Iynedjian:
Nach meinem Abschluss an der EHL im Jahr 2002 war ich wegen meiner beruflichen Zukunft etwas unsicher. Damals fragte mich ein Freund, der ebenfalls ein EHL-Studium abgeschlossen hatte, ob ich in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arbeiten wolle. Er selbst war bei PricewaterhouseCoopers in Genf tätig. Ich hielt dies für eine sehr gute Gelegenheit. Auf seine Empfehlung hin begann ich bei PwC Genf zu arbeiten.

Es gibt zwei Arten der Wirtschaftsprüfung. Die eine ist die Finanzprüfung und die andere die Branchenprüfung. Ich habe eine Finanzprüfung durchgeführt, die sich auf die finanzielle Situation des Unternehmens konzentriert. Dank meiner Zeit bei PwC habe ich viel über die Finanzindustrie gelernt.


Ab 2004 arbeitete ich bei UBS Art Banking. UBS Art Banking war damals ein unverzichtbarer Bestandteil der UBS. Es war eine Plattform, um den Kunstsammlern bei Kunsttransaktionen zu helfen, aber auch um Dienstleistungen wie die Identifikation und Bewertung von Kunstwerken anzubieten.


Nachdem ich zwei Jahre lang in dieser Abteilung gearbeitet hatte, wechselte ich zu UBS Asia Pacific Wealth Management. Dort arbeite ich seit fast 12 Jahren. Ich bin für die Vermögensverwaltung der Anlagen asiatischer Kunden in Europa verantwortlich. Dabei handelt es sich meist um Unternehmen oder Einzelpersonen aus Hongkong (China) oder den Philippinen.


Worin liegen deiner Meinung nach die Gemeinsamkeiten zwischen der Hospitality und dem Bankwesen?

Adrien Iynedjian:
Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, da beides Dienstleistungsbranchen sind. Es geht darum, die Bedürfnisse der Kundschaft zu verstehen und die richtige Antwort darauf zu geben. Jeder Kunde und jede Kundin hat andere Präferenzen und Bedürfnisse.


Nur wenn wir ihre wahre Situation verstehen, können wir ihnen den Service bieten, der ihren Bedürfnissen am besten entspricht. Bei der Arbeit im Gastgewerbe sorgen wir dafür, dass sich die Gäste wohl fühlen. Dasselbe gilt für das Bankgewerbe. Nur wenn der Kunde/die Kundin glaubt, dass ich eine vertrauenswürdige Person bin, wird er/sie mir sein/ihr Vermögen zur Verwaltung übergeben.


Die Wahl liegt in den Händen der Kundschaft. Sie können jederzeit zu einer anderen Bank wechseln. Wir müssen also den bestmöglichen Service bieten. Es ist auch wichtig zu betonen, dass soziale Kompetenzen sowohl im Gastgewerbe als auch im Bankwesen unerlässlich sind. Das Identifizieren und Anziehen neuer Kunden ist auch ein Teil meiner Arbeit. Ich habe viele neue Kunden bei geselligen Treffen kennen gelernt. Wie man sich bei verschiedenen Veranstaltungen verhält und wie man mit Menschen kommuniziert, habe ich im Gastgewerbe gelernt.


Bist du in der Anfangszeit deiner Arbeit in der Finanzbranche auf Schwierigkeiten gestossen?

Adrien Iynedjian:
Die grösste Schwierigkeit muss die Wissenslücke gewesen sein. Mein Finanzwissen entsprach nicht dem meiner Kollegen mit Finanzhintergrund. Diese Wissenslücke schloss jedoch in den ersten drei bis sechs Monaten nach und nach. Die zweite Schwierigkeit besteht darin, dass einige meiner Kollegen aufgrund meines Hospitality Hintergrunds voreingenommen waren. Die meisten Menschen, die in Banken arbeiten, haben einen finanziellen Hintergrund.


Wenn eine Person von einer Hotelfachschule in das Bankenwesen einsteigt, fragt man sich unweigerlich, ob diese Person qualifiziert ist. In der Anfangszeit musste ich also härter arbeiten, um mich zu beweisen. Sobald meine Qualifikation anerkannt wurde, verschwanden die Vorurteile allmählich. Die dritte Herausforderung ist die Voreingenommenheit unserer Kunden/innen. Sie geben uns ihr Vermögen zur Verwaltung. Natürlich wollen sie sicher sein, dass der Berater vertrauenswürdig ist.


Nachdem sie wussten, dass ich von einer Hotelfachschule kam, konnte die Kundschaft nicht anders, als einige Zweifel zu haben. Wenn dies geschah, erklärte ich ihnen oft die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Branchen. Natürlich muss ich praktische Massnahmen ergreifen, um sie wissen zu lassen, dass ich für die Stelle qualifiziert bin. Der Gastronomie-Hintergrund hat auch seine Vorteile. Zum Beispiel bin ich besser darin, die wirklichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen und entsprechende Lösungen anzubieten.


Branchenwechsel

Der Wechsel von einem Geschäftsbereich zum anderen war noch nie einfach. Er erfordert Mut und Entschlossenheit. Obwohl Wissen ein grosses Hindernis ist, sind Kompetenzen übertragbar. Einige spezifische Fähigkeiten wie Managementwissen und soziale Fähigkeiten können in jedem Bereich eingesetzt werden.


Auch nicht klassische berufliche Hintergründe ermöglichen es einem, aus einer anderen Perspektive zu denken. Adrien nannte ein gutes Beispiel: Wenn das Bürotelefon klingelt, nimmt als erstes immer jemand mit einem gastfreundlichen Hintergrund ab. Die authentische Fürsorge und die Fähigkeit, sich in unterschiedliche Umgebungen einzufügen, zeichnen Hospitality-Studierende aus. Diese einzigartigen Erfahrungen bringen oft unerwartete Überraschungen mit sich.

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